Bekanntlich ist der mediterrane Raum erheblich
wärmer als der mittel- oder nordeuropäische. Dies hat zunächst
Auswirkungen auf die Tierzucht (Dürre), zum anderen aber auch auf
die Schlachtgewohnheiten. Geht man einmal davon aus, daß in
bestimmten Regionen Geflügel sehr verbreitet ist (etwa Spanien), so
ist dies im östlichen Mittelmeerraum aus verschiedenen Gründen (auch
religiöser Art) das Lamm. Natürlich gibt es auch zunehmend
Rindfleisch - aber: Hierbei gibt es Unterschiede. Da in den warmen
Regionen eine Fleischlagerung schwierig war und ist, wird Fleisch in
der Regel tunlichst sofort nach der Schlachtung verkauft und
verbraucht. Dieses funktioniert bei Lamm und Hammel problemlos, doch
Rindfleisch ist unabgehangen zäh. Daher werden die Tiere in einem
Alter zwischen Kalb und Rind geschlachtet, das Fleisch ist zwar
nicht weiß, aber rosa. Dennoch sind nicht alle Stücke kurzbratbar,
vieles kommt daher in die Hackmaschine.
Auf dieser Grundlage entwickelten sich jedoch zahlreiche
Gerichte mit Hackfleisch, kleingeschnittenem Fleisch, Fleisch auf
Spießen, mit Gemüsen oder Reis. Einen "Braten" nach Vorbild der
ancien cuisine wird man im östlichen Mittelmeer allerdings
vergeblich suchen. Zumindest würde er nicht der traditionellen Küche
entsprungen sein. Daß Schweinefleisch erst in der griechischen,
nicht aber in der türkischen Küche auftaucht, mag ein Defizit
darstellen, im großen und ganzen kann man aber gut darauf
verzichten.
Und was die Konkurrenz zwischen der griechischen und der
türkischen Küche angeht, so kann man nur ahnen, wer von wem
abstammt. Blickt man jedoch einige Jahrhunderte zurück auf den
mittelmeerumspannenden "osmanischen Halbmond", dann dürfte das
Zentrum auch der lukullischen Genüsse an den Höfen der Kalifen, an
der "Hohen Pforte" zu Istanbul gelegen haben. Die von Atatürk
vollzogene Vertreibung der Griechen aus der Westtürkei dürfte
ebenfalls dazu beigetragen haben, die osmanische Küche weiter in der
Ägäis zu verbreiten. Doch damit genug der Historie...